Vorchdorf ist längst kein Dorf mehr

Exklusiv-Interview mit DI Gunter Schimpl zu Weihnachten und zum Jahreswechsel

Mit dem Jahreswechsel blickt Vorchdorf auf eines der dynamischsten Jahre seit langem zurück. Sanierung der Bahnhofstraße, Errichtung des Generationen-Campus, neues V-Center an der Landstraße, Sanierung der Kitzmantelfabrik mit Museum und das Infrastrukturprojekt mit Kindergarten in der Fischböckau. Zahlreiche Projekte der Gemeinde und privater Investoren wurden umgesetzt und haben das Ortsbild verändert. Grund genug, um Bürgermeister DI Gunter Schimpl zum Interview zu bitten, der nicht nur auf das vergangene Jahr zurückblickt. Denn mit dem Jahresende zieht der Almtalbürgermeister auch eine Zwischenbilanz über seine ersten 10 Jahre als Bürgermeister.

 

Vorchdorfonline: Wie lässt sich die derzeitige Entwicklung von Vorchdorf beschreiben?

Bgm. Schimpl: Vorchdorf entwickelt sich seit Jahrzehnten kontinuierlich als industrialisierte Landgemeinde zu einem Zentrum mit regionaler Bedeutung. Die Entwicklung ist eine logische Konsequenz dessen, was bereits in den 1960er-Jahren seinen Anfang genommen hat. Damals erlebte die Dorfgemeinde Vorchdorf eine Industrialisierungswelle dank Autobahnanschluss. Traditionell ansässige Betriebe wie Brauerei, Kitzmantelfabrik oder Rittmühle waren plötzlich nicht mehr die einzigen Arbeitgeber. Wick, Miba und Heson brachten neue Arbeitsplätze und belebten die lokalen Zulieferbetriebe und das Gewerbe. Die Faustregel, dass ein Industriearbeitsplatz im Schnitt zwei Gewerbearbeitsplätze mit sich bringt, gilt damals wie heute. 

 

Vorchdorf ist ein begehrter Standort für Betriebsansiedelungen und Wohnbau – was schätzen die Investoren an Vorchdorf?

Die strategische Lage von Vorchdorf als Gewerbe- und Industriestandort ist uns meist nicht bewusst, das bestätigen zahlreiche Gespräche, die ich als Bürgermeister führe. Gleiches gilt für die Lebensqualität im Ort. Wir sind gesegnet mit unserem unvergleichlichen Ambiente am Schlossplatz! Zusätzlich für Vorchdorf spricht die Nähe zu Arbeitsplätzen in den Ballungsräumen Vöcklabruck oder Wels und die gleichzeitige Nähe zu den Naherholungsgebieten im Almtal und im Salzkammergut. Unternehmer schätzen die rasche und im Vergleich zu Linz/Wels verkehrsarme Verkehrsanbindung. Die Stausituation in den Ballungsräumen ist für die Unternehmen vermehrt ein Problem, sie suchen deshalb Alternativstandorte wie Vorchdorf.

 

Sie sind seit 2008 Bürgermeister in Vorchdorf. Wie hat sich die Gemeinde seitdem verändert?

In den letzten zehn Jahren sind bei uns rund 1.000 neue Arbeitsplätze entstanden, die Hälfte davon im Gewerbegebiet Feldham. Die Gemeinde profitiert davon: alleine die Kommunalsteuereinnahmen sind von 2,5 auf über 4 Mio. Euro angestiegen. Das ermöglicht Handlungsspielräume, die andere Gemeinden nicht haben. Was unsere Unternehmen auszeichnet sind familiär geführte Strukturen. Mehr Arbeitsplätze im Ort erfordert auch mehr Infrastruktur. Die Haushalte sind gestiegen und die Geburtenrate ist um rund ein Drittel höher als vor 10 Jahren. Als Gemeinde reagierten wir darauf und schufen mehr Kinderbetreuungsangebot. Jeder Industriearbeitsplatz bringt eine Umweg-Rentabilität in anderen Bereichen. Wir spüren das natürlich: der Handel boomt, das zieht wiederum Investoren nach Vorchdorf. Während in anderen Gemeinden ein großes Wirte-Sterben um sich greift, sind die Gasthäuser in Vorchdorf immer gut ausgelastet. Auch in den Bereichen Freizeit und Sport, sowie Kultur brachte die „dritte Industrialisierungswelle“ nachhaltige Änderungen mit sich. 

 

Was hat Freizeit und Kultur mit dieser Entwicklung zu tun?

Vorchdorf ist lang kein „Dorf“ mehr, sondern eine Gemeinde mit überregionaler Strahlkraft. In den Vereinen und sozialen Gefügen konnte die „dörfliche Struktur“ erhalten bleiben und stärkt damit das Gemeinschaftsgefühl. Viele Neu-Vorchdorfer schätzen das Vereinsangebot und die offene Willkommenskultur. Mehr Arbeitsplätze und mehr Einwohner bedeutet bei uns mehr Dynamik im Vereinswesen. Darüber hinaus sehen wir einen Bedarf an professionellen Veranstaltungsstätten. Vor 10 Jahren wurde das Veranstaltungszentrum Kitzmantelfabrik eröffnet. Heute ist es mit 240 Belegtagen ein Veranstaltungshaus, welches von Kulturträgern, Firmen und Privaten gleichermaßen gerne gebucht und genutzt wird. Viele Hochzeiten aus Nah und Fern finden dort, sowie in der Brauerei Schloss Eggenberg und weiteren Veranstaltungslokalen statt. Vorchdorf wird mit seinem Kulturangebot weit über seine Grenzen hinaus geschätzt. Mit der dritten Ausbaustufe in der Kitzmantelfabrik schufen wir zusätzlich Raum für das starke Veranstaltungsleben, das meist noch in notdürftig adaptierten Sport- und Gewerbeeinrichtungen stattfindet. Im kommenden Jahr freue ich mich etwa auf den Kreativ- und Designmarkt (9.-10. März), dem Werbering-Café am Ostermontag oder auf das Konzert des Brucknerorchesters im Rahmen der Gmundner Festwochen am 4. Juli. Alle neuen Formate finden im Fabrikssaal statt. Und auch hier gilt: jede Veranstaltung bringt zusätzliche Frequenz in den Vorchdorfer Gaststätten. 

 

Was bringt das neue Jahr sonst noch?

Wir werden größere Infrastrukturprojekte abschließen. Im Februar laden wir zur Eröffnungsfeier von Kindergarten, Krabbelstube und Vereinslokal in der Fischböckau. Mitte Mai wollen wir die Bahnhofstraße mit einem Markt eröffnen. Die Weiterentwicklung des Gewerbegebietes Feldham im Rahmen des interkommunalen Betriebsbaugebietes (INKOBA) stellt uns ebenso vor große Aufgaben, wie die Entwicklung von Flächen rund um den Vorchdorfer Friedhof und entlang der Bahnhofstraße. Bei all den Bemühungen um den Wirtschaftsstandort Vorchdorf dürfen wir nicht auf den Ortskern vergessen. Wer mehr über aktuelle Projekte aus erster Hand erfahren möchte, den lade ich bereits jetzt zur Bürgermeister-Tour ein, die am 6. April 2019 stattfindet.

 

Vielen Dank für das Interview!  

 

Interview/Foto: Mag. Gerhard Radner

 

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